Die effektivste Propaganda kommt aus dem Westen

Die effektivste Propaganda kommt aus dem WestenDie Ukraine hat angekündigt, ein Informationsministerium zu gründen. Informationsminister soll der Vertraute von Präsident Poroschenko, Juri Stez, werden. Was uns das über die Situation in der Ukraine sagt und warum das, was die westlichen Medien über den Ukrainekonflikt berichten Propaganda ist, darüber sprach Bolle Selke mit John Pilger. John Pilger befasst sich als Vietnamkorrespondent seit den 60ern intensiv mit der Rolle der Medien. Er hat mehr als 50 Dokumentarfilme gedreht und für Zeitungen wie "The Independent", "The Guardian" und die "New York Times" geschrieben.

 

Die ukrainische Regierung hat angekündigt, ein Informationsministerium einzurichten. Den Vorsitz des Ministeriums soll Juri Stez übernehmen. Stetz stammt aus dem engeren Kreis des Staatspräsidenten Pjotr Poroschenko, und war unter anderem leitender Produzent bei dem Fernsehsender Kanal 5, der zu Poroschenkos Medienunternehmen gehört. Was sagt uns diese Verbindung über den Zustand der Ukraine?

Die Situation in der Ukraine sollte für jeden, der sie verfolgt, eindeutig sein. Es handelt sich hier um eine gemeinsame Machtergreifung. Es ist eine Machtergreifung durch den so genannten Westen, also durch die Vereinigten Staaten, Deutschland und die Nato. Und es ist eine Übernahme durch diese Oligarchen, die die Ukraine dominierten, so wie Poroschenko und jene, die ihm nah stehen, wie der neue Informationsminister. Es ist also wirklich die Übernahme von einem Land, es hat absolut gar nichts mit legitimer Staatsführung zu tun. Das jetzige Regime in der Ukraine ist durch die von den USA freundlicherweise zur Verfügung gestellten fünf Milliarden Dollar an die Macht gekommen, und durch die Interessen, die die gewählte Regierung gestürzt hat. Wie korrupt auch immer diese Regierung war, sie war die gewählte Regierung. Also, bei der Machtübernahme in der Ukraine ging es nicht so sehr um die Ukraine. Der Internationale Währungsfond hat zwar angekündigt, dass er Ordnung in die ukrainische Wirtschaft bringen will, aber die Ukraine hat nicht wirklich viel für irgendjemanden im Angebot. Was sie aber anzubieten hat, ist Nachbarschaft zu Russland. Es ist die Ukraine, das bedeutet Grenzland. Das alles ist fast vorhersehbar.

 

Die herkömmlichen westlichen Medien haben allerdings eine ganz andere Meinung über die Ukraine, oder?

 

Ja, es gibt eine Menge Propaganda im Westen, und ich würde behaupten, dass die Situation in der Ukraine mehr ungeschminkter Propaganda ausgesetzt war, als jede wichtige geopolitische Situation, an die ich mich erinnern kann. Also werden die tatsächlichen Nachrichten in der Ukraine hauptsächlich unterdrückt. Der Kampf der Leute im Osten, die Tatsache, dass das Kiewer Regime die Waffenruhe so häufig gebrochen hat, die unrechtmäßigen Wahlen, die von Kiew inszeniert worden sind, das harte Vorgehen gegen ausländische Journalisten, die Tötungen von Journalisten, die Zerstörung von Zeitungsbüros. Die schlimmste Angelegenheit aber ist der Einsatz dieser Neo-Nazis, dieser faschistischen Gruppierungen, die natürlich bis in den Zweiten Weltkrieg zurückreicht, als ein Drittel der ukrainischen Truppen für Hitler gekämpft haben.

 

In Ihrem Film „The War You Don’t See“ und kürzlich in Ihrer Rede beim Logan-Symposium sprechen Sie den Punkt an, dass, wenn die amerikanischen Journalisten ihren Job richtig gemacht hätten, die Vereinigten Staaten unter Umständen nicht im Irak einmarschier wären.

 

Nun, ich bin davon nicht hundertprozentig überzeugt, aber wodrauf ich hinaus wollte, ist: ich habe über das wohlüberlegte Urteil von einigen wohlangesehenen Journalisten in den Vereinigten Staaten berichtet. Diese haben den Fakt angesprochen, dass die Mainstream-Medien in Amerika solch eine Macht haben, dass, wenn sie eine kritische Wahrheit einheitlich unterdrücken, dann wird das einen wesentlichen Einfluss ausüben. Und die US-Medien haben fast einheitlich die entscheidende Tatsache unterschlagen, dass Saddam Hussein keine Massenvernichtungswaffen hatte. Es gab keine Beweise, dass er sie noch besaß, und somit waren die Gründe, die für die Invasion dieses Landes genannt worden sind, eine Täuschung. Was meine Kollegen dann angeregt haben, ist, dass, hätte es anders ausgesehen, hätten sie tatsächlich diese Irreführungen, die aus Washington und von woanders her kamen, angezweifelt und nachgeforscht und die Tatsache aufgedeckt, dass Saddam Hussein keine Massenvernichtungswaffen gehabt hat, und dass der Grund für die Invasion eine Lüge war, dann hätte sich so ein Druck aufgebaut, dass sogar das Regime von George W. Bush vielleicht nicht invadiert hätte. Davon bin ich nicht völlig überzeugt, aber es ist eine interessante Behauptung. Es ist ein „hätte sein können“, aber es ist ein sehr wesentliches „hätte sein können“.

 

Würden Sie sagen, dass die Situation auf die Ukraine bezogen ähnlich ist?

 

Ja! Ja, weil es eine Unterdrückung ist, wie ich sie gerade beschrieben habe. Eine Unterdrückung der Fakten, der grundsätzlichen Fakten der Situation, seit fast einem ganzen Jahr, seit Februar 2014, also seit dem Sturz, dem Staatstreich. Die Unterdrückung der Tatsachen der Intervention von den Vereinigten Staaten und die Unterdrückung der russischen Sicht. Die russische Meinung ist eine sehr wichtige historische Meinung von seinem Grenzland, und ich denke, die gemeinsame Unterdrückung davon, hat diese oft scheußlichen Ereignisse erst zugelassen. Ereignisse, wie zum Beispiel die Gräueltat in Odessa letzten Mai. Die Tötung von über 40 Menschen im Gewerkschaftshaus dort, durch Neo-Nazis angestiftet. Das Außergewöhnliche, eines der vielen außergewöhnlichen Dinge, wenn es um die Ukraine geht ist, die Rolle von erklärten Faschisten. Nun sind diese Faschisten, trotz des offensichtlichen Verlusts von Unterstützung in den jüngsten Wahlen, welche durch Kiew inszeniert worden sind, tatsächlich quer durch die Bank in die Regierung integriert. Man hat also einen faschistisch geführten Umsturz im Februar, man hat faschistische Gräueltaten und man hat den allgemeinen politischen Einfluss von Faschisten, die ihre Abstammung bis zu den deutschen Nazis zurückführen. Und diese außergewöhnliche Situation, hat man nun in einem europäischen Land, und kein einziger europäischer Führungspolitiker hat darauf hingewiesen, oder hat darüber protestiert. Wir haben Faschismus, der in Europa wieder zunimmt und die einzige Ausnahme ist der russische Präsident, er hat darauf hingewiesen, aber darüber wird kaum im Westen berichtet.

 

Wann man über Propaganda in den westlichen Medien redet, denkt man zuallererst an Medien wie Fox Network, oder Rupert Murdoch - hier in Deutschland haben wir Axel Springer - aber Sie meinen nicht die Boulevardpresse, sondern sagen, dass das Hauptproblem die sogenannten Qualitätsmedien wie die "New York Times" oder der "Guardian" sind.

 

Die "Frankfurter Allgemeine" und die deutschen Qualitätszeitungen. Die sogenannten deutschen Qualitätszeitungen. So wie ich es mitbekommen habe und so wie ich gelesen habe, was sie geschrieben haben, haben sie ihre eigenen schändlichen Propagandakampagnen durchgeführt. Eine fast psychopathisch antirussische Kampagne. Und das ist wahr über die Presse hier und über die Presse in den Vereinigten Staaten. Dabei wird mit einer Art von Bildern gearbeitet, die zurück bis zum Kalten Krieg reichen. Und das hat das unser Verständnis von der Wahrheit über diesen Konflikt schwer beschädigt.

 

Eine übliche Begründung ist ja, die andere Seite macht ja so viel Propaganda, wir müssen dagegen halten.

 

In der Bibel nennt man das Auge um Auge. Wo führt das hin, es hat absolut Garnichts mit der Wahrheit zu tun, oder? Ja, sicher. Propaganda ist nicht auf den Westen begrenzt, aber der Punkt ist, sie wird im Westen nicht als Propaganda erkannt. Propaganda kommt immer aus Russland, oder aus dem Mittleren Osten, oder von woanders, von bösen Menschen, die den Rest des Planeten besetzen, aber nie aus dem Westen. Tatsächlich kommt die effektivste Propaganda von den angesehensten westlichen Institutionen, so wie dem BBC, so wie die New York Times und so weiter.

 

Was erwarten Sie von heutigem Qualitätsjournalismus?

 

Was ich vom Journalismus erwarte ist, dass Journalisten ihren Job machen. Es ist eine sehr einfache Definition davon Journalist zu sein und die lautet: Man wird dafür bezahlt um Missverständnisse aus dem Weg zu räumen. Man wird nicht dafür bezahlt eine Agenda zu promoten, egal wie hinterlistig diese Agenda sein mag, egal wie unterbewusst diese Agenda sein mag, es ist immer noch eine Agenda, und das heißt ganz einfach, dass Journalisten ihren Job machen. Sie können nicht die gesamte Wahrheit bekommen, aber sie können es versuchen.

 

Foto: © Foto: Flickr.com/walnut whippet/cc-by

Quelle: Stimme Russlands

 

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