Erdogan erstaunt: Zwei Piloten bedeuten Russland mehr als Freundschaft mit Türkei

Im Konflikt mit Russland um den abgeschossenen Kampfjet schlägt der türkische Präsident Tayyip Erdogan nun versöhnliche Töne an. Wie er sagt, bedauert er, dass der gegenseitige Handel schrumpft und dass das Leben zweier Piloten Russland mehr wert ist als die Freundschaft mit seinem Land.

Am Mittwoch gestand Erdogan, der sich zuvor immer kompromisslos gegenüber Moskau gab, ein, dass die Beziehungen zu Russland für die Türkei sehr wichtig seien. „Wir sind kein Feind für das russische Volk. Für ein Land, das jährlich vier Millionen russische Urlauber aufnimmt, wäre das auch unmöglich“, beteuerte der türkische Präsident in Ankara.
„Unser Handel hatte 35 Milliarden US-Dollar erreicht und wir peilten schon die 100-Milliarden-Marke an. Schade, dass Russland wegen zwei Piloten solch einen Freund wie die Türkei verloren hat“. Er hoffe, dass es doch noch zu einer Normalisierung kommen werde.

Die Beziehungen zwischen Moskau und Ankara hatten sich drastisch verschlechtert, nachdem die Türkei am 24. November 2015 an der syrischen Grenze einen russischen Bomber abgeschossen hatte. Der Kampfjet bombardierte Stellungen der Terrororganisation Daesh (auch Islamischer Staat, IS) in Syrien, als er von einer türkischen Rakete getroffen wurde und auf syrischem Gebiet abstützte. Einer der beiden Piloten kam ums Leben. Der zweite konnte gerettet werden. Beim Rettungseinsatz wurde ein russischer Hubschrauber von Rebellen abgeschossen, ein Pilot wurde getötet.
Russlands Präsident Wladimir Putin bezeichnete den Jet-Abschuss als „Stoß in den Rücken durch Helfershelfer der Terroristen“ und forderte von der türkischen Regierung eine formelle Entschuldigung. Ankara lehnte dies ab und behauptete, der russische Jet sei in den türkischen Luftraum eingedrungen. Das russische Militär bestritt das.

Als Reaktion verhängte Moskau einen Importstopp gegen türkische Waren, russische Reiseveranstalter strichen die Türkei aus ihrem Programm. Die Zahl der russischen Urlauber in Antalya sank im Januar 2016 um 80 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum.
Die Türkei ist mit Vorwürfen konfrontiert, mit Daesh illegale Ölgeschäfte abzuwickeln. Rohöl aus den von Terroristen besetzten syrischen Vorkommen soll über türkisches Territorium ungehindert in Drittländer fließen: Russische Drohnen haben Tankwagen-Kolonnen an der Grenze gefilmt. Im Gegenzug bekommen die Terroristen nach Erkenntnissen des russischen Militärs regelmäßig Verstärkung aus der Türkei.

Foto: © REUTERS/ Umit Bektas

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Globist

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