Die Wirtschaft der Eurozone ist in der Schwebe

Die Eurozone steht erneut am Rande einer Rezession. Die scheidende Woche ist reich an makroökonomischen Neuheiten gewesen: Die Angaben über den Zustand der Wirtschaft in der Währungsunion haben die Investoren und Analysten ein weiteres Mal enttäuscht. Das Bruttoinlandsprodukt für das Quartal geht, auf das Jahr bezogen, zurück, und in Bezug auf das vorausgegangene Quartal ist diese Kennziffern um das symbolische Zehntel eines Prozents gewachsen. Auch die seit dem Bestehen der Währungsunion schlechteste Situation auf dem Arbeitsmarkt liefert keinen Grund zur Freude: Jede achte Person ist offiziell beschäftigungslos.

Die jährliche Inflation in der Eurozone hat sich von 1,1 Prozent im September auf 0,7 Prozent im Oktober verlangsamt. Das gleiche Tempo ist auch in der Europäischen Union zu verzeichnen. In der EU hat die Jahresinflation im vergangenen Monat 0,9 Prozent betragen und sich im Vergleich zum Stand des Vormonats (1,3 Prozent) verringert, teilt Euroostat mit. Das offizielle Ziel im Hinblick auf die Inflation lautet für die Währungsunion: zwei Prozent. Und in den Ländern, die von einer Schuldenkrise betroffen sind, ist das Wachstum der Preise gleich null oder es hat sogar einen negativen Wert aufzuweisen. Daher seien die in der letzten Zeit erscheinenden Angaben über das Wachstum der Verbraucherpreise recht schwach, sagt Darja Schelannowa, Stellvertreterin des Direktors des analytischen Departements des Unternehmens „Alpari“:


„Das zeugt davon, dass sich der Prozess der Wiederherstellung in der Wirtschaft äußerst langsam vollzieht, und wenn man ehrlich sein soll, so läuft er überhaupt nicht. Die einzige Chance, den Prozess in Gang zu bringen, kann eine Abwertung des Euros sein, was durch eine Senkung des Zinses der EZB getan worden ist. Die Situation bleibt äußerst beklagenswert, wovon die Statistiken über das Bruttoinlandsprodukt zeugen. Wir sehen ein äußerst niedriges Quartalswachstum von 0,1 Prozent und im Jahr seine Verringerung um 0,4 Prozent.“


Halb so langsam, bis zu 0,3 Prozent, wächst die größte Wirtschaft der Eurozone, die von Deutschland, während im zweiten Quartal ein Wachstum von 0,7 Prozent festgestellt worden ist. Die Kennziffer ist durch die Dynamik der Industrieproduktion verschlechtert worden. Wenn der Ausstoß im August um zwei Prozent gewachsen ist, so sind die Kennziffern im September gegenüber dem Vormonat fast um ein Prozent gesunken. Die Wirtschaften Frankreichs und Italiens sind aus der Rezession nicht herausgekommen: In beiden Ländern hat sich das Bruttoinlandsprodukt im dritten Quartal um 0,1 Prozent verringert. Negatives füge auch die stabil bemitleidenswerte Situation auf dem Arbeitsmarkt hinzu, fährt Darja Schelannowa fort:


„Die jüngsten Angaben über die Arbeitslosigkeit in der Eurozone lauten: 12,2 Prozent. Und wenn die Arbeitslosigkeit insgesamt als hinreichend hoch bewertet wird, so gilt sie in den einzelnen Ländern als kritisch. Man nehme das gleiche Griechenland, das erneut ein Niveau von 27,3 Prozent ausgewiesen hat. Es ist wieder davon die Rede, ihm eine weitere Tranche bereitzustellen, von Griechenland verlangt man weitere Schritte beim Personalabbau.“


Vor diesem Hintergrund macht sich die Europäische Zentralbank Gedanken über Maßnahmen zur quantitativen Milderung, analog jenen, die in den USA Anwendung finden. Die EZB könnte einen negativen Zinssatz für Depositen einführen, erklärte der Chef der Regulierungsbehörde, Mario Draghi. Das bedeutet, dass man die Banken praktisch für die Geldlagerung bei der Regulierungsbehörde bestrafen und so die Investitionen in die Wirtschaft stimulieren wird. Der Kurs des Euros würde sinken, lautet die Prognose von Experten. Gerade das habe die Eurozone jetzt nötig, meint Alexander Nasarow, Stellvertreter des Direktors des analytischen Departements der „Gazprombank“:


„Gerade im September und Oktober begann ein ernst zu nehmendes Wachstum des Kurses von Euro, was möglicherweise die schwache Dynamik der makroökonomischen Werte bedingt hat, denn die in Europa erzeugten Waren sind für die ganze restliche Welt teuerer geworden.“


Die fällige Portion von Statistiken aus der Eurozone hat die Hoffnungen auf die baldige Wiederherstellung der Wirtschaft der Währungsunion erneut durchkreuzt. Experten der meisten führenden Investitionshäuser erwarten nicht, dass das Bruttoinlandsprodukt der Eurozone im kommenden Jahr 0,5 Prozent übersteigen wird.

Kyrill Grischin

Quelle: http://german.ruvr.ru/2013_11_16/Die-Wirtschaft-der-Eurozone-steckt-in-der-Schwebe-7943/

Globist

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